Wie kann Verwaltung besser werden?

Regierungspräsident Carsten Gabbert zu Gast beim DVM25

Die Vorlesung am Dienstag, 21. April 2026, war für die Studierenden des Bachelorstudiengangs „Digitales Verwaltungsmanagement“ (DVM25) eine ganz besondere. Carsten Gabbert, Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Freiburg, welcher auch zugleich stellvertretender Hochschulratsvorsitzender der Hochschule Kehl ist, war als Referent in einer Vorlesung zu Gast. In der Lehrveranstaltung „Organisations- und Prozessmanagement“ von Prof. Dr. Jörg Röber stellte er den Studierenden des Jahrgangs DVM25 sein neues Buch zur Agilität im Organisationsalltag vor, und diskutierte mit ihnen zentrale Thesen.

Im Mittelpunkt standen dabei grundsätzliche Fragen, die die künftige Entwicklung der Verwaltung prägen: Wie kann Verwaltung besser werden? Wie können Mitarbeitende mit weniger Aufwand in kürzerer Zeit zu besseren Ergebnissen kommen? Und wie lässt sich eine Grundlage schaffen, damit in Zukunft weniger Menschen in einer immer komplexeren Welt mehr Aufgaben bewältigen können? Gabbert machte deutlich, dass es den öffentlichen Verwaltungen aus seiner Sicht nicht an Methoden, Techniken oder Software fehlt. Alles, was eine moderne Verwaltung benötige, sei im Grunde bereits vorhanden, müsse aber konsequent eingesetzt werden. Er zeigte anhand vieler Beispiele aus der Praxis, dass sich bereits mit überschaubarem Aufwand Fortschritte erzielen lassen – ohne ausufernde Projekte und ohne zusätzlichen Ressourceneinsatz. Entscheidend sei eine konsequent lösungsorientierte Haltung.

 

Veränderung der Arbeitsweisen, Rollenbilder und Erwartungen

Um die aktuelle Situation der Verwaltung einzuordnen, blickte Gabbert auf prägende Entwicklungen der vergangenen 25 Jahre zurück: die Etablierung von Qualitätssicherung und Prozessmanagement um das Jahr 2000, die Einführung von Dokumenten-Management-Systemen in der Mitte der 2000er Jahre, der Aufbau strukturierten Wissensmanagements mit Wikis um 2010, der zunehmende Einsatz von Software-as-a-Service- und Cloud-Lösungen ab etwa 2015, der Aufschwung von Automationslösungen um 2020 und schließlich der Eintritt Künstlicher Intelligenz in den Verwaltungsalltag in den Jahren danach. Deutlich wurde, wie stark sich Arbeitsweisen, Rollenbilder und Erwartungen an Verwaltung in dieser Zeit verändert haben.

 

Vorhaben steuern und umsetzen

Anschließend wandte sich Gabbert der Frage zu, wie Vorhaben in der Verwaltung gesteuert werden können. Klassisches Projektmanagement mit klarer Planung und linearem „Wasserfall“-Vorgehen habe nach wie vor seinen Platz, insbesondere bei gut überschaubaren, komplizierten Aufgaben. Viele Projekte in der Verwaltung seien jedoch komplex: Rahmenbedingungen änderten sich, Anforderungen entwickelten sich im Verlauf, Betroffene würden erst im Prozess zu Beteiligten. In solchen Situationen biete ein agiles Vorgehen Vorteile – mit kürzeren Planungszyklen, frühem Feedback und einer stärkeren Einbindung der Mitarbeitenden. Gerade hier knüpft die Lehrveranstaltung „Organisations- und Prozessmanagement“ an, in der die Studierenden theoretische Grundlagen kennenlernen und nun durch den Austausch mit einem Praktiker auf Leitungsebene zusätzliche Perspektiven erhielten.

Besonders eindrücklich waren für die Studierenden die Leitgedanken, die Gabbert ihnen für ihre zukünftige Tätigkeit in der Verwaltung mitgab. Statt lange zu zögern, solle man ins Tun kommen und Dinge im kleinen Rahmen ausprobieren, Risiken bewusst einschätzen, statt sie pauschal zu vermeiden, etwa beim Thema Datenschutz, und Ergebnisse im Nachgang kritisch reflektieren, anstatt Vorhaben schon im Vorfeld „kaputt zu denken“. Er warb für Offenheit, Neugier und den Blick über den eigenen Schreibtisch hinaus, für den Austausch mit anderen und das Teilen von Lösungen. Hilfreich sei es zudem, weniger die Frage zu stellen, was alles zusätzlich benötigt werde, sondern zunächst zu prüfen, welche Ressourcen und Werkzeuge bereits vorhanden sind. Entscheidend sei, Teams frühzeitig zu beteiligen und leistungsbereite Mitarbeitende gezielt einzubinden.

 

Verwaltung konkret modernisieren

Im weiteren Verlauf wurden konkrete Ansatzpunkte sichtbar, was Verwaltung braucht, um Modernisierung und Digitalisierung nachhaltig voranzubringen: eine passende Organisationsstruktur, eine Führungskultur, die Eigenverantwortung und Lernen ermöglicht, ein Mindset, das Veränderung nicht als Bedrohung versteht, sowie professionelles Prozessmanagement und eine kluge Auswahl digitaler Werkzeuge, die Abhängigkeiten reduziert. Gabbert griff dafür eine breite Palette von Methoden und Konzepten auf, von Projektmanagement und Scrum über Prozess- und Wissensmanagement mit Wikis und Boards bis hin zu New Work, Selbstorganisation, Fokusmethoden, Ambidextrie, Design Thinking, Co-Creation, Change Management und OKR. Ergänzt wurden diese Ansätze durch Instrumente wie LEGO Serious Play, Leitbildarbeit, strategische Konzepte und verschiedene Formen zeitgemäßer Fortbildung. Zudem zeigte er, welches Potenzial digitale Werkzeuge wie Kommunikations- und Chatlösungen, Systeme für Projektplanung sowie Work- und Ressourcen-Management, kollaborative Board-Technologien, Wikis und Online-Abfragen für eine handlungsfähige Verwaltung bieten.

 

25 Jahre Berufserfahrung

Besonders greifbar wurden seine Ausführungen durch zahlreiche Anekdoten aus 25 Jahren Berufserfahrung in unterschiedlichen Rollen. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Wirtschaftsabitur studierte Gabbert Germanistik und Geschichtswissenschaft. Anschließend arbeitete er einige Jahre in einem Software-Unternehmen im kommunalen Umfeld und lernte dort die Schnittstelle zwischen Technik und Verwaltung kennen. Im Jahr 2004 wurde er zum Bürgermeister einer Schwarzwald-Gemeinde gewählt und 2012 im Amt bestätigt. Sechzehn Jahre lang leitete er die Gemeindeverwaltung, war gleichzeitig im Kreistag und beim Gemeindetag Baden-Württemberg aktiv und sammelte so umfassende Einblicke in kommunale Entscheidungs- und Verwaltungsprozesse.

Im Jahr 2020 verzichtete Gabbert auf eine erneute Kandidatur und gründete ein eigenes Unternehmen. Seitdem begleitete er Kommunalverwaltungen in Fortbildungen und Projekten – etwa zu Digitalisierung, Projektmanagement, Selbstorganisation oder Bürgerbeteiligung. Er arbeitete in konkreten Vorhaben von der Haushaltskonsolidierung bis hin zu Beteiligungsprozessen mit und beriet zudem verschiedene Start-up-Unternehmen. Seit 2024 steht er nun an der Spitze des Regierungspräsidiums Freiburg und leitet eine Behörde mit rund 1.800 Mitarbeitenden. Für die Studierenden war es eine besondere Erfahrung, direkt mit dem Leiter einer so großen Behörde über Organisation, Führung und Digitalisierung zu sprechen. Dass Gabbert ausgebildeter Moderator und SCRUM-Master ist, prägte die Veranstaltung spürbar: Die Vorlesung war dialogorientiert, lebendig und nah an der Praxis.

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