Harvard-Professor Bruce Schneier zu Gast an der Hochschule Kehl
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Studium Generale und in Kooperation mit dem World Forum for Democracy des Europarats begrüßte die Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl vergangenen Mittwoch den international renommierten IT-Sicherheitsexperten, Bestsellerautor der New York Times und Professor an der Harvard Kennedy School Prof. Bruce Schneier. Vor einem gefüllten Auditorium stellte Schneier seine neue Publikation „Rewiring Democracy – How AI Will Transform Our Politics, Government, and Citizenship“ (dt. „Demokratie neu vernetzen – Wie KI unsere Politik, Regierung und Bürgerschaft verändern wird“) vor und diskutierte anschließend mit Studierenden, Lehrenden und Gästen über die Chancen und Risiken von künstlicher Intelligenz (KI) im Kontext demokratischer Prozesse.
In seinem Vortrag beleuchtete Schneier, wie künstliche Intelligenz politische Entscheidungsprozesse, Verwaltungshandeln und das Verhältnis zwischen Bürgerschaft und Staat nachhaltig verändern kann und wird. Eine seiner zentralen Thesen lautete dabei, dass KI beispielsweise durch datenbasierte Transparenz und neue Formen kollektiver Entscheidungsfindung zur Stärkung demokratischer Teilhabe beitragen könne. Gleichzeitig warnte Schneier davor, dass Algorithmen Machtasymmetrien verstärken und Manipulation erleichtern können, und demensprechend auch potentielle Gefahren für die politische Integrität mit sich bringen.
Der Referent machte während seines Vortrags anhand zahlreicher Beispiele deutlich, dass künstliche Intelligenz längst ein Teil realer politischer Abläufe ist und führte u. a. die Optimierung von Kampagnenstrategien mithilfe von KI als eines von vielen aktuellen Beispielen an. Die Frage sei also nicht, ob künstliche Intelligenz demokratische Prozesse verändern werde, sondern wie wir diese Veränderung kollektiv gestalten.
Im Anschluss an den Vortrag folgte eine offene Fragerunde, die von Studierenden des Politikreferats geleitet wurde und auf große Resonanz unter den Teilnehmenden stieß. Es wurden einige Fragen zu Themen wie Regulierung, Transparenz und gesellschaftlichen Herausforderungen im Kontext von KI gestellt. Schneier beantwortete zahlreiche Punkte ausführlich, verwies jedoch auch darauf, dass einige Fragen derzeit noch offenbleiben müssen. Die Entwicklung künstlicher Intelligenz sei selbst für Expert*innen nur begrenzt vorhersehbar ist, was sinnbildlich für die Dynamik des gesamten Themenfelds stünde.
„Die Veranstaltung bot einen vielseitigen Einblick in die Wechselwirkung von KI und Demokratie,“ so Student Michael Bauch, der als Vorstand des Politikreferats an der Organisation und Durchführung des Vortrags beteiligt war. „Die zahlreichen Fragen und die Diskussionsbereitschaft unter den Anwesenden haben das starke Interesse Studierender an politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen digitaler Technologien sehr deutlich gemacht.“
Die Veranstaltung war Teil des World Forum for Democracy, welches dieses Jahr unter dem Titel „Democracy at risk: how can we revive it?“ stand. Das Weltforum ist von Europarat organisiert, in Zusammenarbeit mit dem französischen Staat, Region Grand Est, der Europäischen Kollektivität Elsass und der Stadt Straßburg. Im Rahmen dieses Forums möchte die Hochschule Kehl ihre Zusammenarbeit mit dem Europarat künftig intensivieren, insbesondere in den Bereichen Demokratieforschung, digitale Transformation des öffentlichen Sektors und internationale Governance.
„Der Austausch mit internationalen Expertinnen und Experten wie Prof. Bruce Schneier stärkt die Position der Hochschule Kehl als Ort des kritischen Denkens und der europäischen Zusammenarbeit“, so Rektor Prof. Dr. Joachim Beck im Nachgang der Veranstaltung. „Das Niveau der Fragen und die Tiefe der Diskussion haben einmal mehr gezeigt, wie internationale Expertise und praxisorientierte Verwaltungsausbildung sich gegenseitig bereichern können.“