Deutsch-französisches Blockseminar

Studierende der Hochschule Kehl und des IPAG Straßburg entwickeln Projekte für Breisach/Neuf-Brisach

Wie können Grenzstädte im Alltag enger zusammenarbeiten, europäische Identifikation stärken und zugleich gemeinsame Geschichte sichtbar machen? Mit dieser Frage haben sich kürzlich Studierende der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl und des „Institut de préparation à l’administration générale“ (IPAG) der Universität Straßburg in einem gemeinsamen Blockseminar im BadenCampus Breisach beschäftigt.

Im Mittelpunkt standen mehrere grenzüberschreitende Projekte für die Doppelstadt Breisach/Neuf-Brisach, die von Oliver Rein, Bürgermeister der Stadt Breisach, und Stefanie Armbruster, Leiterin der örtlichen Stabsstelle für grenzüberschreitende Kooperation, ausgewählt wurden.

Die erste Gruppe untersuchte rechtliche Fragen des INTERREG-Projekts „Sport’Rhena“. Ziel des Vorhabens ist die gemeinsame Nutzung von Sportanlagen auf beiden Seiten des Rheins sowie die Entwicklung grenzüberschreitender Trainingsangebote. Die Studierenden analysierten dabei insbesondere Fragen der Haftung und des Versicherungsschutzes.

Die zweite Arbeitsgruppe widmete sich der Rolle der Kommune als Arbeitgeberin und erörterte arbeitsrechtliche Fragen beim Einsatz deutscher und französischer Beschäftigter in der Pflege öffentlicher Grünflächen.

Die letzte Gruppe befasste sich mit der Idee einer gemeinsamen Marke für die Doppelstadt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich durch visuelle Elemente wie Logos oder Wappen das Bewusstsein der Bürger*innen für das Leben in einem zunehmend vernetzten deutsch-französischen und europäischen Raum stärken lässt. Dabei zeigte sich, dass insbesondere bei der Wahl eines gemeinsamen Wappens wichtige hoheitsrechtliche Vorgaben zu beachten wären.

Ein weiteres Ergebnis des Seminars ist die Konzeption eines deutsch-französischen Borderwalks für Breisach/Neuf-Brisach. Der Rundgang umfasst rund 15 Stationen und ist zweisprachig angelegt. Vorbild hierfür war das Borderwalk-Konzept, das im Rahmen des von Prof. Dr. Birte Wassenberg, Prof. Dr. Joachim Beck und Prof. Dr. Frédérique Berrod geleiteten grenzüberschreitenden Jean-Monnet-Centre of Excellence von Prof. Dr. Michael Frey und Rahel Alia Müller zu einem didaktischen Konzept für den Parcours zwischen Kehl und Straßburg entwickelt wurde (weitere Informationen unter www.hs-kehl.de/borderwalk).

Die für Breisach/Neuf-Brisach ausgewählten Orte veranschaulichen grenzüberschreitende Verbindungen, aber auch historische Brüche. Eine Station ist zum Beispiel die deutsch-französische Jugendherberge in Breisach. Als Ort zahlreicher Begegnungen zwischen deutschen und französischen Schülergruppen steht sie seit Jahren für gelebte Verständigung zwischen beiden Ländern. Der frühere Standort der Rheinbrücke der einstigen Bahnstrecke Freiburg-Colmar verweist dagegen auf Zeiten der Gegensätze und Kriege. Die Brücke wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört und bislang nicht wieder aufgebaut. Damit endete auch die direkte Bahnverbindung zwischen Breisach und Neuf-Brisach. Derzeit gibt es Bemühungen um eine Reaktivierung.

Das Blockseminar im BadenCampus Breisach fand im Rahmen der Filière Française statt, einem optionalen Studientrack der Hochschule Kehl, der Studierende gezielt auf Tätigkeiten im deutsch-französischen Verwaltungsraum vorbereitet. Geleitet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Michael Frey, unterstützt von der wissenschaftlichen Mitarbeitenden Rahel Alia Müller. Das Seminar zeigte exemplarisch, wie grenzüberschreitende Zusammenarbeit im kommunalen Raum heute funktioniert. Deutlich wurde, wie komplex viele Vorhaben sind und wie sehr fundierte rechtliche Expertise, funktionierende interkulturelle Kommunikation sowie enge politisch-administrative Abstimmung erforderlich sind, um die Partnerschaft zu vertiefen und die gegebene Raumschaft weiter zu vernetzen.

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