Wer sind die Managerinnen der baden-württembergischen Kommunen und wie führen sie?

Landesweite Studie zu Sozialprofil und Führungsstil

Kehl. Dieser Fragestellung ging Martina Hurst - Absolventin des berufsbegleitenden Masterprogramms an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl und selbst Kommunalpolitikerin und stellvertretende Bürgermeisterin ihrer Heimatgemeinde Sinzheim – im Zuge ihrer Masterthesis mit dem Titel „die kommunalen Managerinnen Baden-Württembergs – eine Untersuchung zu Sozialprofil und Führungsstil der Baden-Württembergischen (Ober-) Bürgermeisterinnen“ nach. Betreut wurde sie dabei von den Kehler Professoren, dem ehemaligen Rektor Prof. Paul Witt und dem ehemaligen Prorektor Prof. Dr. Jürgen Kegelmann.

Hierfür wurden im Zeitraum August und September 2020 alle 91 amtierenden (Ober-) Bürgermeisterinnen Baden-Württembergs im Zuge einer breit angelegten Onlinebefragung interviewt. Die Beteiligungsquote lag bei knapp über 60 %, weshalb diese Studie die breitesten und vertieftesten Ergebnisse über diese Zielgruppe der letzten Jahre abbildet.

Nach den Ergebnissen von Martina Hurst unterscheiden sich die Sozialprofile der (Ober-) Bürgermeisterinnen in Baden-Württemberg nicht wesentlich von den Sozialprofilen ihrer männlichen Kollegen. Bei ihnen handelt es sich – entsprechend der Ergebnisse der ersten breit angelegten Studie aus 1984 von Wehling und Siewert, welche im weiteren zeitlichen Verlauf mehrfach bestätigt wurden – ebenso wie bei ihren männlichen Kollegen mit breiter Mehrheit um gelernte Verwaltungsfachkräfte mit Distanz zu den politischen Parteien und von außerhalb der jeweiligen Kommune kommend, allerdings mit regionalem Bezug. Dies war auch eine der ursprünglichen Thesen, die von Hurst im Zuge ihrer Masterarbeit aufgestellt wurden. Lediglich die Familiensituation der Amtsinhaberinnen unterscheidet sich in Nuancen von denen ihrer männlichen Kollegen. So sind die Damen etwas häufiger kinderlos und wenn sie Kinder haben, so sind diese zumeist in der Tendenz schon etwas älter. Gleichzeitig hat aber auch die Zahl junger Amtsinhaberinnen in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Ziel der Arbeit war es, einen vertieften Blick auf Frauen in Führungspositionen in Person der kommunalen Managerinnen Baden-Württembergs zu werfen, diese damit etwas mehr in den Fokus der Kommunalwissenschaft zu rücken und potenziellen Interessentinnen für ein solches Amt als mögliche Entscheidungshilfe für eine eigene erfolgreiche Kandidatur zu dienen. Auch wurde der Frauenanteil an der Spitze von Kommunen – welcher deutschlandweit bei rund 9 % seit Jahren auf niedrigem Niveau stagniert und in Baden-Württemberg aktuell mit etwa 8,2 % noch knapp darunter liegt – im Verhältnis zu Frauen in Führungspositionen in der freien Wirtschaft sowie der Bundes- und Landespolitik deutschlandweit betrachtet.  Hier bewegt sich der Frauenanteil in einem Korridor von knapp 25 % bis zu 40 % und damit nach wie vor noch deutlich unterhalb des von der amtierenden Bunderegierung bis 2025 angestrebten Ziels der gleichberechtigten Teilhabe in Führungspositionen im öffentlichen Bereich. Der Anteil an Frauen in kommunalen Führungspositionen hinkt diesem angestrebten Ziel demnach noch um ein Vielfaches hinterher.

Neben dem Sozialprofil wurde im Zuge der Untersuchung von Hurst auch nach dem Führungsstil und -bild der Amtsträgerinnen als Expertinnen in eigener Sache gefragt. Hier konnte die Verfasserin herausarbeiten, dass es aus Sicht der (Ober-) Bürgermeisterinnen deutliche Unterschiede im Kommunikations- und Führungsverhalten zwischen diesen und ihren männlichen Kollegen gibt. Die überwältigende Mehrheit der Amtsinhaberinnen verwies in dem Kontext darauf, dass die Frauen stärker sach- und lösungsorientiert agieren, während die männlichen Kollegen deutlich mehr macht- und statusorientiert handeln. Fast die Hälfte der aktuellen Amtsinhaberinnen sieht sich hierbei entsprechend der Abfrage eher als Entscheiderinnen, die in ihren Kommunen Innovationen vorantreiben.

Abschließend zeigt Hurst in ihrer Arbeit darüber hinaus mögliche allgemeine und politische Handlungsansätze auf, um den Frauenanteil unter den Bürgermeister_innen weiter zu steigern. Sie führt hier neben der Verbesserung der Vereinbarkeit von Amt und Familie (Betreuungsangebote, flexible Arbeitszeiten, Elternzeit- und Teilzeitmöglichkeiten) die Chancen und aktuellen Erfahrungen in Zeiten der Pandemie durch die Digitalisierung und die damit einhergehende Veränderung der Sitzungs- und Präsenzkultur an. Auch die politische Kultur muss sich demnach mit Blick auf nach wie vor vorhandene Vorurteile und Rollenklischees gegenüber Frauen, die sich um ein solches Amt bewerben, noch weiterentwickeln. Hurst verweist darüber hinaus auf den Bedarf, entsprechende Seminare und Coachings für die Vielzahl an gut ausgebildeten potenziellen Kandidatinnen (insbesondere mit Blick auf die Abgängerzahlen an den Verwaltungshochschulen) in der Fläche weiter auszubauen und bekannt zu machen. Hier sieht sie in deren eigenem Interesse die Institutionen der politischen Bildung, wie die Bundeszentrale und die Landeszentralen für politische Bildung, die politischen Parteien, Stiftungen und vor allem kommunalen Interessensvertretungen in der Verantwortung, geeignete Frauen noch gezielter anzusprechen, zu fördern und zu vernetzen – denn starke Kommunen brauchen kompetente und qualifizierte Manager_innen und hierfür bedarf es eines entsprechend breiten Angebotes an qualifizierten Bewerber_innen.

Bei Rückfragen dürfen Sie sich gerne an die Verfasserin der Untersuchung, Martina Hurst, sowie an die Professoren Paul Witt und Dr. Jürgen Kegelmann wenden:

Martina Hurst: m.hurst(at)gemeinsam-fuer-sinzheim.de

Prof. Paul Witt: witt(at)hs-kehl.de

Prof. Dr. Jürgen Kegelmann: kegelmann(at)hs-kehl.de

 

Zum Bild (Martina Hurst):

Martina Hurst, Jahrgang 1982, ist Diplom-Sozialpädagogin und hat an der Hochschule Kehl den Masterstudiengang „Public Management M.A.“ absolviert. Die dreifache Mutter ist Kindergartengeschäftsführerin bei der Verrechnungsstelle Rastatt und seit 2014 Gemeinderätin in Sinzheim bei Baden-Baden.
Sie ist auch 3. Bürgermeisterstellvertreterin.

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