Vorbereitungsprogramm auf den Bachelorstudiengang „Public Management“ gestartet
Zehn Interessierte aus Frankreich, der Schweiz, Ungarn, Kehl und Umgebung haben vor Kurzem an der Hochschule Kehl den „Prep Course Public Management“ begonnen. Dabei handelt es sich um ein Qualifizierungsprogramm, welches die Möglichkeit bietet, sich optimal auf den Bachelorstudiengang „Public Management“ und damit auf eine Karriere im öffentlichen Dienst vorzubereiten. So soll nicht nur dem Fachkräftemangel entgegengewirkt, die Verwaltung durch vielfältige Perspektiven bereichert, sondern auch die kommunale Integration verbessert werden. Zeitgleich werden dadurch die Studienangebote der Hochschule Kehl attraktiver und die interkulturellen und sprachlichen Kompetenzen der Kehler Studierenden durch einen diverseren Campus erhöht.
„Ursprünglich war das Programm speziell für Studieninteressierte mit Deutschkenntnissen aus den EU- und EWR-Staaten konzipiert, die eine Karriere im öffentlichen Dienst anstreben. Da diese Zielgruppe jedoch nicht im geplanten Umfang erreicht werden konnte, haben wir uns an die kommunalen Integrationsbeauftragten gewandt und so Kontakte zu Personen herstellen können, welche bereits in Baden-Württemberg leben und ein Studium an der Hochschule Kehl anstreben, dies aber ohne Vorbereitung nicht gut bewältigen können. So wurde eine neue Zielgruppe identifiziert. Das sind dann Personen, u. a. Zuwanderer*innen und Menschen mit Fluchterfahrung, die mittlerweile eingebürgert sind und hier in Berufen arbeiten, die nicht ihrer Qualifikation entsprechen oder die sich beruflich weiterbilden möchten“, so Karin Bračko-Kraft, Projektkoordinatorin an der Hochschule Kehl. So kam es auch zum Kontakt mit der Stadt Kehl, welche gleich vier interessierte Personen ausfindig machen konnte. Eine von ihnen ist Nevin Yordanova, die derzeit bei der Stadt Kehl ehrenamtlichen in der Sprachvermittlung für bulgarisch und türkisch tätig ist. „Der Studiengang Public Management bietet aus meiner Sicht die ideale Grundlage, um mich sowohl fachlich als auch persönlich weiterzuentwickeln und die nötigen Kompetenzen für eine verantwortungsvolle Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung zu erlangen.“
Raya Gustavson, Integrationsbeauftragte der Stadt Kehl, berichtet über die Kontaktaufnahmen seitens der Hochschule: „Uns kamen gleich mögliche Bewerber und Bewerberinnen in den Sinn, die von einer solchen Weiterbildung profitieren könnten. Wir haben unser Netzwerk, wie den Kehler Pool für ehrenamtliche Sprachvermittlung, die Flüchtlingshilfe und die internationalen Vereine über diesen Zugang informiert und dadurch die ersten zwei Interessenten gewonnen. Aber auch die direkte persönliche Ansprache führte zu zwei weiteren Bewerber*innen. Sie waren alle sofort begeistert und motiviert, diese Möglichkeit zu ergreifen.“ Der Prep Course sehe sie als ein positives Beispiel dafür, wie Bildung und gezielte Unterstützung nicht nur den Einzelnen stärken, sondern auch die gesamte Gemeinschaft fördern könne. „Integration kann gelingen, wenn Organisationen sich verändern und öffnen, um Chancen für Zugewanderte und ihre Kinder zu schaffen, indem sie ihnen die gleichen Bildungswege bieten. Diese werden ein Gewinn für die Teams in den Kommunen sein, da sie neben fachlichen Fähigkeiten auch eine innere Stärke, Zielstrebigkeit und Resilienz mitbringen“, ergänzt die Kehler Integrationsbeauftragte.
Inhalte und Abschluss des Prep Course
Im Prep Course erhalten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von sechs Monaten Deutschunterricht mit dem Schwerpunkt Fachsprache sowie eine Einführung in das Staats- und Verwaltungsrecht und in die Grundlagen des Managements im öffentlichen Sektor. Darüber hinaus werden sie auf wissenschaftliches Arbeiten und die Tätigkeit in einem interkulturellen Arbeitsumfeld vorbereitet. Auch ein Bewerbungstraining und Exkursionen stehen auf dem Programm. Die Inhalte werden entweder vor Ort in Kehl an der Hochschule oder in digitalen Treffen vermittelt. Der Stundenplan wurde an die Bedürfnisse der teilweise berufstätigen Teilnehmenden angepasst. Abgeschlossen wir das Programm mit einem Zertifikat und einem offiziell anerkannten Deutsch-Sprachzertifikat.
„Wir begleiten die Teilnehmenden des Prep Courses von Anfang an und vermitteln ihnen alle Fähigkeiten und Kenntnisse, die sie für einen erfolgreichen Studienstart an der Hochschule Kehl benötigen. Danach warten vielversprechende Karrieremöglichkeiten im öffentlichen Dienst auf sie“, so Bračko-Kraft.
Voraussetzungen für die Teilnahme am Prep Course:
- Staatsangehörigkeit eines EU oder EWR-Staates (EU-Länder + Island, Liechtenstein und Norwegen)
- Hochschulzugangsberechtigung für ein Studium an Fachhochschulen in Deutschland.
- Deutschkenntnisse (mind. Niveau B2). Bewerber*innen mit einem Sprachniveau von mindestens B1 können vor Beginn des Programms an einer sprachlichen Vorbereitungsphase teilnehmen, um ihre Deutschkenntnisse auf das erforderliche Niveau B2 zu bringen.
Pilotprojekt
Bei diesem Vorbereitungskurs handelt es sich um ein Pilotprojekt, das im Jahr 2025 vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert wird, so dass keine Teilnahmegebühren anfallen.
Derzeit wird geklärt, wie das Programm ab dem kommenden Jahr weitergeführt werden kann. „Es gibt bereits Anfragen sowohl von anderen Kommunen, die an internationalen Fachkräften interessiert sind, als auch von künftigen Teilnehmenden“, zeigt sich Rektor Joachim Beck optimistisch. Konkret gehe es um Studieninteressierte, die sich im Ausland befinden oder bereits in Deutschland leben, einen oder keinen Migrationshintergrund sowie eine deutsche oder europäische Staatsangehörigkeit haben, das Berufsziel „Öffentliche Verwaltung“ verfolgen und eine Vorqualifikation für den Bachelorstudiengang „Public Management“ erwerben möchten.
„Ich freue mich sehr, dass die Hochschule Kehl mit diesem Programm einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung und Internationalisierung der öffentlichen Verwaltung in Baden-Württemberg leistet und interessierten Bewerber*innen konkrete Karriereperspektiven vermittelt. Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Hochschule Kehl ist“, so Rektor Beck.