Zwei Juristinnen, zwei unterschiedliche Werdegänge – und doch eine gemeinsame Begeisterung für Recht und Verwaltung. Désirée Gagsteiger und Lea Person absolvieren derzeit ihre Verwaltungsstation im Rechtsreferendariat an der Hochschule Kehl. Im Interview erzählen sie, warum sie sich für Jura entschieden haben, welche Erfahrungen sie geprägt haben und weshalb die Hochschule Kehl für sie ein spannender Ausbildungsort ist.
Désirée Gagsteiger, Lea Person, Sie haben beide sehr unterschiedliche Wege eingeschlagen. Wie verlief Ihr bisheriger Werdegang?
Désirée Gagsteiger: Mein Studium führte mich von München nach Paris. Dort habe ich französisches Recht studiert und parallel mein deutsches Jurastudium fortgesetzt. Nach mehreren Jahren als Juristin und Projektleiterin im deutsch-französischen Kontext habe ich mich dazu entschieden, das Rechtsreferendariat zu absolvieren, um meine juristische Ausbildung zu vervollständigen und neue berufliche Perspektiven kennenzulernen.
Lea Person: Bei mir begann alles mit dem Bachelorstudiengang „Public Management“ an der Hochschule Kehl. Anschließend arbeitete ich zunächst in der öffentlichen Verwaltung, bevor ich zusätzlich Jura an der Universität Freiburg studierte. Nach meiner Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung arbeitete ich dann während des Studiums am Lehrstuhl für Verwaltungsrecht und verbrachte ein Auslandsjahr in Genf. Nach dem ersten Staatsexamen war ich zunächst in einer Kanzlei tätig, bevor ich 2025 das Referendariat begann.
Was hat Sie ursprünglich dazu bewegt, Jura zu studieren?
Désirée Gagsteiger: Mich haben gesellschaftliche Zusammenhänge schon immer fasziniert. Besonders spannend finde ich die Frage, wie Recht unser Zusammenleben gestaltet. Während meines deutsch-französischen Studiums wurde mir außerdem bewusst, wie unterschiedlich Rechtsordnungen sein können und wie bereichernd der Vergleich verschiedener Rechtssysteme ist.
Lea Person: Ein einzelnes Schlüsselerlebnis gab es bei mir nicht. Das Interesse war schon während der Schulzeit da, ich entschied mich aber zunächst für das Studium in Kehl. Wirklich bestärkt hat mich dann das Auslandspraktikum, das ich in Argentinien gemacht habe. Dort habe ich erlebt, wie viele Mitarbeitende der öffentlichen Verwaltung parallel arbeiten und studieren. Das hat mich motiviert, ebenfalls den Schritt ins Jurastudium zu wagen.
Was begeistert Sie an der juristischen Arbeit besonders?
Désirée Gagsteiger: Die Vielseitigkeit. Jeder Fall ist anders und verlangt eine sorgfältige Analyse. Gleichzeitig geht es immer auch darum, praktikable Lösungen zu finden und mit Menschen zusammenzuarbeiten. Besonders reizvoll finde ich grenzüberschreitende Fragestellungen, bei denen unterschiedliche Rechtssysteme aufeinandertreffen.
Lea Person: Mich begeistert es, Lösungen zu finden, die einen Interessenausgleich herstellen. Sich damit zu beschäftigen, wo schützenswerte Interessen liegen und dies in einem gestaltenden Rahmen umzusetzen, bis hin zur Frage, wann Recht im Einzelfall noch gerecht ist. Die juristische Arbeit ist vielschichtig und nicht nur Schwarz und Weiß.
Welche Eigenschaften sind im Referendariat besonders wichtig?
Désirée Gagsteiger: Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, sich immer wieder auf neue Rechtsgebiete einzulassen. Ebenso wichtig ist es, selbstständig zu arbeiten und gleichzeitig den Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu suchen.
Lea Person: Die wohl wichtigste Fähigkeit ist meines Erachtens Zeitmanagement. Daneben ist die Fähigkeit zur Resilienz sehr hilfreich sowie ein gutes Durchhaltevermögen.
Wo sehen Sie sich nach dem Referendariat?
Désirée Gagsteiger: Besonders gut kann ich mir eine Tätigkeit im deutsch-französischen Rechtsverkehr vorstellen. Gerade in der Grenzregion ergeben sich täglich spannende rechtliche Fragestellungen – etwa im Familien-, Arbeits-, Erb- oder Gesellschaftsrecht. Gleichzeitig hat mir das Referendariat auch gezeigt, wie interessant die richterliche Tätigkeit sein kann. Deshalb möchte ich beide Wege weiterhin offenhalten.
Lea Person: Zu Beginn meines Referendariats dachte ich, in die Justiz zu wollen, mittlerweile sehe ich mich vielmehr im Verwaltungsdienst. Dort gefällt mir die Möglichkeit der Verbindung aus rein juristischer mit gestaltender Tätigkeit, aber auch in gerichtlichen Verfahren.
Warum haben Sie sich für die Verwaltungsstation an der Hochschule Kehl entschieden?
Désirée Gagsteiger: Die Hochschule verbindet Wissenschaft, Verwaltung und Praxis in einer europäischen Grenzregion – das passt hervorragend zu meinem bisherigen Werdegang. Mich interessiert besonders, wie juristische Fragestellungen innerhalb einer Hochschule bearbeitet werden.
Lea Person: Da ich selbst in Kehl studiert habe, konnte ich schon zahlreiche Praxiserfahrungen in den klassischen Verwaltungsbehörden sammeln. Daher wollte ich nun die Gelegenheit nutzen und die Hochschule als Behörde mit ihren juristischen Aufgaben kennenlernen.
Womit beschäftigen Sie sich während Ihrer Station?
Désirée Gagsteiger: Ich unterstütze das Justiziariat bei unterschiedlichen rechtlichen Fragestellungen – von Studien- und Prüfungsrecht über Disziplinarverfahren bis hin zu hochschulrechtlichen Stellungnahmen und Bescheiden. Die Themenvielfalt macht die Arbeit besonders spannend.
Lea Person: Ich arbeite unter anderem an Disziplinarverfahren gegen Studierende mit, recherchiere zu Fragen des Nachteilsausgleichs und unterstütze bei der Erstellung von Satzungen und Richtlinien.
Was möchten Sie aus Ihrer Zeit an der Hochschule Kehl mitnehmen?
Désirée Gagsteiger: Ich freue mich darauf, das öffentliche Recht aus einer neuen Perspektive kennenzulernen und mein Wissen im Verwaltungsrecht weiter zu vertiefen.
Lea Person: Ich hoffe, einen umfassenden Einblick in die kleine Behörde einer Hochschule zu gewinnen und auch eine neue berufliche Perspektive für mich zu entdecken.
Zum Abschluss: Welchen Rat würden Sie Studierenden mit auf den Weg geben?
Désirée Gagsteiger: Seien Sie neugierig und nutzen Sie internationale Möglichkeiten. Ein Auslandsstudium oder die Beschäftigung mit einem anderen Rechtssystem eröffnet neue Perspektiven – fachlich wie persönlich.
Lea Person: Nutzen Sie die Flexibilität des Studiums, praktische Erfahrungen zu sammeln und auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen – sei es ein zeitliches Auslandsstudium oder -praktikum, eine weniger klassische Ausbildungsstelle oder auch mal etwas Fachfremdes. Diese Erfahrungen schärfen den Blick für das Wesentliche und bringen einen fachlich wie persönlich weiter.
Herzlichen Dank für das Interview und die spannenden Einblicke.