Prof. Dr. Britta Kiesel wird Nachfolgerin von Prof. Dr. Annegret Eppler
Zum 1. September 2025 hat Prof. Dr. Annegret Eppler das Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule Kehl an ihre bisherige Stellvertreterin, Prof. Dr. Britta Kiesel, übergeben. Gleichzeitig wurde Prof. Dr. Tanja Häßler die neue stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte. Im Amt waren Prof. Dr. Eppler und Prof. Dr. Kiesel seit dem 1. Juli 2023: „Britta Kiesel und ich waren in der vorherigen Konstellation – ich als Gleichstellungsbeauftragte, sie als Stellvertreterin – zur Wahl angetreten und hatten schon 2023 ins Auge gefasst, dass Britta nach der Hälfte der Amtszeit den Hut übernehmen würde“, so Prof. Dr. Eppler. Die beiden Professorinnen ziehen anlässlich der Stabübergabe eine Zwischenbilanz und blicken gemeinsam auf die vergangenen zwei Jahre zurück.
Gleichstellung an der Hochschule Kehl
Die Hochschule Kehl ist mit derzeit rund 1.300 Studierenden in zwei Bachelor- und vier Masterstudiengängen eine kleine Hochschule. Damit hängt zusammen, dass ihr nach der derzeit noch laufenden Hochschulfinanzierungsvereinbarung II (HoFV II) zwar ein kleines Sachmittelbudget für Gleichstellung zur Verfügung steht, sie aber – anders als größere Hochschulen – keine Personalmittel für ein Gleichstellungsbüro hat und auch der Deputatsnachlass für die Gleichstellungsbeauftragten (insgesamt fünf Semesterwochenstunden nach der Gleichstellungsbeauftragtenentlastungsverordnung (GEVO)) im Vergleich zu anderen Hochschulen gering ausfällt. „Dabei haben wir in Kehl ein paar gleichstellungsrelevante Charakteristika“, sind sich die beiden Professorinnen Eppler und Kiesel einig. Als „interne“, auf den öffentlichen, nichttechnischen Verwaltungsdienst spezialisierte Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) hat die Hochschule Kehl einen hervorragenden Ruf und eine lange Tradition. „Darauf sind wir sehr stolz, aber die Strukturen sind manchmal – gerade, wenn es um Gleichstellung geht – nicht so einfach zu modernisieren“, meinen die beiden Professorinnen. So liegt der Anteil von Frauen unter den derzeit 48 Professorinnen und Professoren seit vielen Jahren stetig bei ca. 20 Prozent. „Wir sind derzeit insgesamt zehn Frauen und stellen damit nur 20,8 Prozent der Professorenschaft“, rechnet Prof. Dr. Kiesel aus. In Fakultät I für Rechts- und Kommunalwissenschaft beträgt der Frauenanteil unter den Professuren mit drei Frauen 13 Prozent, in Fakultät II für Wirtschafts-, Informations- und Sozialwissenschaften mit derzeit sieben Frauen immerhin 28 Prozent. Mit der Wahl von Prof. Dr. Ina Klingele zur Prorektorin für Studium & Lehre ist seit Juli 2025 nun erstmalig in der über 50-jährigen Geschichte der Hochschule Kehl eine Frau Mitglied des Rektorats. „Das ist ein riesiger Erfolg für die Gleichstellung an unserer Hochschule“, betont Prof. Dr. Eppler.
Die Gleichstellungsbeauftragten haben Stimmrecht in allen Berufungskommissionen, aber: „Es ist gar nicht so einfach, geeignete Bewerberinnen zu finden“, bedauern die beiden Professorinnen. Denn die Berufungsvoraussetzung an HAWen sind nach § 47 LHG fünf Jahre Berufserfahrung (davon drei Jahre außerhalb einer Hochschule), und es müssen auch alle Neuberufenen der Hochschule Kehl promoviert sein. Die Hochschule hat über 300 externe Lehrbeauftragte, was im Vergleich zu anderen Hochschulen verhältnismäßig viel ist. Von diesen sind auch ca. 50 Prozent weiblich, aber es fehlt ihnen oft die Promotion. Die Hochschule hat auch, trotz des an HAWen typischerweise fehlenden festen Mittelbaus, viele (allesamt durch erfolgreiche Drittmittelprojekte finanzierte) Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler an ihrem Institut für Angewandte Forschung (KIAF). Von diesen sind viele weiblich, sie benötigen aber nicht nur eine Promotion, sondern auch die entsprechende Berufserfahrung, um berufungsfähig zu werden. Bei den Studierenden ist das Verhältnis gerade andersherum als in der Professorenschaft, von den aktuell rund 1.300 Studierenden sind ungefähr 70 Prozent weiblich. Im Bachelorstudiengang „Public Management“ ist der Frauenanteil schon seit den 1980er Jahren im Durchschnitt noch höher, in den Masterstudiengängen relativiert sich der Überhang an Studentinnen hingegen.
Aufgaben und Rolle von Gleichstellungsbeauftragten
Und was bedeutet es konkret, Gleichstellungsbeauftragte zu sein? Prof. Dr. Eppler und Prof. Dr. Kiesel wechseln einen Blick. „Es ist schon viel Arbeit“, sind die beiden sich einig. „Wir sitzen in sämtlichen Gremien, auch in den oft wöchentlich stattfindenden Hochschulleitungssitzungen. Dabei werden wir bei allem einbezogen, was gleichstellungsrelevant ist. Was das ist, entscheiden wir selbst.“ Prof. Dr. Eppler erläutert weiter: „Dazu kommen die Mitarbeit in Senat und Hochschulrat, der jährliche Bericht der Gleichstellungsbeauftragten in der gemeinsamen Sitzung der beiden Gremien sowie ein Gleichstellungsplan, der gleichzeitig mit dem Struktur- und Entwicklungsplan erstellt und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg übersandt wird. Das ist sozusagen die Pflicht.“ Die beiden haben an Schulungen des Deutschen Hochschulverbands teilgenommen, um über rechtliche Voraussetzungen und aktuelle Rechtsfragen informiert zu sein. Eine wichtige Grundlage für die Arbeit sei auch die Vernetzung mit der Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen für angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (LaKof BW). Prof. Dr. Kiesel ist darüber hinaus im Programm „TraumProf+“ aktiv, welches Nachwuchswissenschaftlerinnen aktiv auf dem Weg zur Professur betreut. Hochschulprofessorin Dr. Michèle Bernhard betreut über das Programm bereits eine Mentee im One-to-One Verhältnis. „Wir haben auch einen Professorinnen-Stammtisch gegründet, der sich ein- bis zweimal im Semester trifft“, erzählen die Professorinnen. „Da können wir uns dann in Ruhe austauschen.“ Außerdem organisieren die beiden regelmäßig Vorträge zu gleichstellungsrelevanten Themen in der hochschuleigenen Veranstaltungsreihe „Studium Generale“. So gab es bereits Veranstaltungen zusammen mit der Bürgerstiftung Kehl und mit dem Queer-Referat der Studierendenselbstverwaltung (SSV). Und zu guter Letzt: „Es werden auch viele individuellen Anliegen an uns herangetragen, von Studierenden, aus der Professorenschaft und von der Hochschulleitung – wir versuchen immer, konstruktive Lösungen zu finden“, betont Prof. Dr. Eppler.
Bisherige Erfolge
„Der größte Wurf der letzten Jahre war unser erfolgreicher Antrag im Professorinnenprogramm“, strahlt Prof. Dr. Eppler. Im Rahmen dieses Programms fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die hälftigen Kosten für bis zu drei (Regel-)Professuren für jeweils fünf Jahre, wenn diese mit weiblichen Erstberufenen unbefristet besetzt werden. Darüber hinaus steht im gleichen Programm, auch mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK), ungefähr noch einmal so viel Geld für weitere gleichstellungsfördernde Maßnahmen zur Verfügung. „Im Moment sind wir dabei, das Geld für die erste der drei Professuren konkret zu veranschlagen, denn in Fakultät II haben wir zum Sommersemester 2025 eine Professorin neuberufen.“ Mit den Fördergeldern, die nun bewilligt wurden, und bei denen es sich, je nachdem, wie viele Professorinnen eingestellt werden, um viele Hunderttausend Euro handeln kann, kann endlich ein kleines Gleichstellungsbüro an der Hochschule Kehl aufgebaut werden, Professorinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen können – etwa bei besonderen Forschungsvorhaben – finanziell unterstützt werden, und weitere gleichstellungsfördernde Maßnahmen, Anreize und Strukturen können etabliert werden.
„Das ist ein guter Zeitpunkt, den Stab zu übergeben“, findet Prof. Dr. Eppler: „Die Gleichstellungsarbeit ist wichtig, aber jede von uns hat ja auch eine fachliche Berufung, der sie nachgehen möchte und muss. Und der Gleichstellung tut es gut, wenn die Gleichstellungsbeauftragte auch mal wechselt, da kommt frischer Wind rein.“ In diesem Sinne wünscht Prof. Dr. Eppler, die nun die Funktion der Studiendekanin im Masterstudiengang „Europäisches Verwaltungsmanagement“ übernimmt, ihrer Nachfolgerin, Prof. Dr. Kiesel, und Prof. Dr. Häßler als neuer Stellvertreterin einen kühlen Kopf, viel Kraft und auch einen langen Atem.