Mut zur Veränderung

Innovationskultur(en) in der öffentlichen Verwaltung

Karlsruhe/Kehl. Die öffentliche Verwaltung ist zukunftsorientiert, kreativ, modern und digital ­– Was in Zeiten der klassischen Bürokratie als paradox galt, ist in modern denkenden Verwaltungen längst selbstverständlich. Um aber überhaupt Rück- und Stillstände in Verwaltungen zu erkennen und Veränderungen anzustreben, müssen Verwaltungen zuallererst die Fähigkeit zur Innovation entwickeln.
Dafür haben sich innovative Köpfe von Kommunen und Kommunalunternehmen, von der freien Wirtschaft, insbesondere Start-Up-Unternehmen, vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation   (IAO) in Stuttgart und von der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl zum Netzwerktreffen „Innovationskultur(en) in der öffentlichen Verwaltung“ am Innovationscampus der EnBW zusammengefunden. Zwei Tage lang tauschten sie sich über Innovationsprojekte und -kultur(en) aus und sprachen darüber, wie diese innerhalb der öffentlichen Verwaltung zu stärken sind.

„Der öffentliche Dienst verändert sich, allerdings mit einer anderen Geschwindigkeit, als es bspw. die Wirtschaft tut. Die Entscheidungs- und Genehmigungsprozesse sind teilweise deutlich langatmiger. Jedoch ist es auch gerade die Stabilität, die die Verwaltungen ausmacht“, sagte Dr. Osman Bayraktar, Lehrbeauftragter an der Hochschule Kehl. Kommunale Verwaltungen müssen sich dennoch dringend an den Puls der Zeit anpassen und moderne Schritte gehen. Daher gelte es nun, deren Fähigkeit zur Innovation zu erhöhen und sie zu Veränderungen zu ermutigen.

„Wir kennen bereits einige Best-Practice-Beispiele, die zeigen, dass die kommunale Verwaltung durchaus innovativ sein kann. Nun möchte ich Sie bitten, positive Zukunftsbilder und Visionen der kommunalen Verwaltung zu entwickeln“, so Prof. Dr. Jürgen Kegelmann, Prorektor der Hochschule Kehl, zu Beginn des Treffens. Nach einer Arbeitszeit in Gruppen und einer anschließenden Vorstellung zeichnete sich deutlich heraus, welche Inhalte für die kommunale Verwaltung in Zukunft wesentlich sein werden:
Offenheit, Transparenz, Solidarität, Mobilität, Gemeinwohlorientierung, Kultur, Verantwortung, Ökologie/Umwelt, interkommunale Zusammenarbeit und Gemeinschaft.

Bedeutend sei es zudem weiterhin die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger im Blick zu haben, ihnen eine angstfreie Zukunft zuzusichern, sie noch stärker in das kommunale Geschehen mit ein zu binden, sie damit am Gemeinwesen teilhaben zu lassen und ihnen Mitgestaltung zu ermöglichen. Damit steige dann auch die Engagementbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger und dies sei für Kommunen von immenser Bedeutung. Denn dank der ehrenamtlichen Unterstützung können die Rahmenbedingungen vieler kommunale Leistungen verbessert und der Ausbau zusätzlicher Angebote und Maßnahmen gestärkt werden.

Auch die Kommune selbst sowie die Architektur kommunaler Gebäude sei wesentlicher Bestandteil einer innovativen Gemeinde. So dürfe es auf keinen Fall an Grünflächen, modernen Farben und Begegnungszonen fehlen. „Orte der Begegnung schaffen eine gemeinsame Mitte innerhalb der Kommune. Dies zu erreichen wird zukünftig noch viel wichtiger werden. Denn Begegnung schafft Identität, aus Identität wächst Verbundenheit und daraus wiederum Verantwortung für den eigenen Lebensort“, sagte Bürgermeister Marian Schreier.
Daneben habe auch das Arbeiten innerhalb der Verwaltung Innovationspotential. So müssten Arbeitsprozesse vereinfacht, digitalisiert und Schnittstellen innerhalb der Verwaltung zu Nahtstellen umgewandelt werden. „Diese neue Arbeitsweise wird eine Aufgabenverschiebung mit sich bringen und ganz neue Berufsrollen erfordern“, so Veronika Zettl, Projektleiterin am Fraunhofer IAO.

Die nächsten Treffen des Netzwerks werden darauf abzielen, konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die die Innovationskraft der öffentlichen Verwaltung stärken werden.

Das Netzwerk „Innovationskultur(en) in der öffentlichen Verwaltung“ wurde im Rahmen des Kommunalen InnovationsCenter (KIC@bw) ins Leben gerufen. Das KIC@bw ist ein Teilprojekt der Digitalakademie@bw und fördert Innovation und digitale Transformation in der öffentlichen Verwaltung durch das Schaffen von Experimentier- und  Erfahrungsräumen sowie durch Formate des Wissenstransfers. Das KIC@bw wird vom Fraunhofer IAO und der Universität Stuttgart IAT geleitet. Für das Innovationsnetzwerk besteht eine enge Kooperation mit der Hochschule Kehl.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie online unter www.digitalakademie-bw.de

 

 

Foto 1 (Hochschule Kehl):

Von links:

Sina-Stephanie Riedle (Unternehmensentwicklung, Stadtwerke Konstanz), Bürgermeister Marian Schreier (Gemeinde Tengen), Dr. Osman Bayraktar (Hochschule Kehl), Michael Gutjahr (EnBW-Leiter Regionalzentrum Nordbaden), Olaf Neumann (Amtsleiter Zentrale Organisation, Ortenaukreis), Prof. Dr. Jürgen Kegelmann (Hochschule Kehl)

 

 

 

Foto 2 (Hochschule Kehl):

Innovative Köpfe der kommunalen Verwaltung am Innovationscampus der EnBW in Karlsruhe.

 

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