Hochschule Kehl erhält Jean-Monnet-Lehrstuhl der Europäischen Kommission

Kehl ist bundesweit erste Verwaltungshochschule

Kehl. Prof. Dr. habil. Annegret Eppler von der Fakultät für Rechts- und Kommunalwissenschaften der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl hat einen von EU-weit 29 neuen Jean-Monnet-Lehrstühlen von der Europäischen Kommission erhalten. Damit ist Kehl bundesweit die erste Hochschule für öffentliche Verwaltung mit einem Jean-Monnet-Lehrstuhl.

In einer europaweiten Auswahlentscheidung werden im Rahmen des Programms „Erasmus+“ Jean-Monnet-Lehrstühle vergeben. Ihr Ziel ist, Themen der europäischen Integration in Lehre und Forschung zu stärken und die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis im EU-Bereich zu vertiefen. Einmal jährlich können in der EU und ausgewählten anderen Staaten Professorinnen und Professoren einen Antrag stellen. Der Antrag wird von Experten geprüft. Er muss ein spezifisches Thema fokussieren und ein inhaltlich abgestimmtes, exzellentes wissenschaftliches Programm für drei Jahre darlegen.

Der Jean-Monnet-Lehrstuhl der Hochschule Kehl adressiert das Thema „Kommunen in der EU“. Prof. Dr. habil. Eppler hat sich in ihrem ca. 80-seitigen Antrag ein Programm vorgenommen, das Veröffentlichungen, Veranstaltungen für Wissenschaftler, Praktiker und die Zivilgesellschaft, Netzwerkaktivitäten sowie Lehrveranstaltungen und Lehrmaterialien enthält. „Ein großer Teil unserer Kehler Absolventinnen und Absolventen ist später in der kommunalen Verwaltung tätig. Die kommunale Ebene wird in der EU immer wichtiger und ist kaum erforscht. Es lag damit auf der Hand, das Thema „Kommunen in der EU“ ins Zentrum des Kehler Jean-Monnet-Antrags zu stellen“, gibt die Professorin zu bedenken.

Geschenkt bekommt man einen Jean-Monnet-Lehrstuhl nicht. Für sämtliche Aktivitäten im Rahmen des Jean-Monnet-Programms gingen im Jahr 2018 EU-weit 905 Anträge ein, von denen nun 122 gefördert werden, was einer Förderquote von knapp 14 % entspricht. EU-weit wurden insgesamt 29 neue Jean-Monnet-Lehrstühle vergeben, in Deutschland für das Jahr 2018 insgesamt nur zwei. Der Kehler Antrag wurde mit 96 von 100 möglichen Punkten zur Förderung ausgewählt. Die Hochschule Kehl ist damit nicht nur eine der ganz wenigen Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Deutschland, die jemals einen Jean-Monnet-Lehrstuhl erhalten haben, sondern auch die erste Hochschule für öffentliche Verwaltung überhaupt.

Prof. Dr. habil. Eppler, die im September 2017 nach Kehl berufen wurde und sich zuvor an der Universität Innsbruck habilitiert hat, ist mit ihrem Jean-Monnet-Lehrstuhl schon mitten im Geschehen. Letzte Woche war die Professorin, die zusammen mit ihrem Kollegen Prof. Dr. Michael Frey den „Vertiefungsbereich EU“ im Bachelor-Studium der Hochschule koordiniert, mit 25 Bachelorstudierenden im Elsass. Die Studierenden erkundeten in einer dreitägigen Exkursion gemeinsam mit den beiden Lehrenden und drei Erasmus-Studierenden die Grenzregion und die Ursprünge der europäischen Integration. Kommende Woche plant Prof. Dr. habil. Eppler, mit 80 Zweitsemestern im Rahmen der Vorlesung „Staats- und EU-Recht“ die Plenartagung des Europäischen Parlaments in Straßburg zu besuchen. „Die Fahrt nach Straßburg ist freiwillig, umso beachtlicher ist das Interesse der Studierenden“, freut sich Eppler. „Geographisch ist Kehl mit seiner Nähe zu den EU-Institutionen in Straßburg geradezu prädestiniert für EU-Studien“, so die Professorin.

„Wissenschaftlich möchte ich vor allem der Bedeutung der kommunalen Ebene für die Legitimität und die Rechtsstaatlichkeit im gesamten EU-System auf die Spur kommen“, berichtet Eppler. Die erste öffentlich geplante Aktivität ist ihre Antrittsvorlesung am 25. Oktober 2018 um 18 Uhr in der Aula, bei der es um Rechtsstaatlichkeit in der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten geht. Für das Sommersemester 2019 plant die Professorin mit ihrem Jean-Monnet-Lehrstuhl eine öffentliche Vortragsreihe, zu der sie Referentinnen und Referenten zum Thema „Kommunen in der EU“ einladen wird. Eppler bemerkt dazu: „Diese Veranstaltungen richten sich auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger. Es wäre schön, wenn wir möglichst viel Publikum hätten!“ 

Zur Person

Prof. Dr. habil. Annegret Eppler ist seit September 2017 Professorin für Öffentliches Recht an der Hochschule Kehl. Sie hat in Tübingen und Leuven, Belgien, studiert und war nach ihrem M.A.-Abschluss in Politikwissenschaft und Zweiten juristischen Staatsexamen zunächst in der EU-Koordination der Landeshauptstadt Stuttgart tätig, bevor sie als Wissenschaftliche Koordinatorin ans Europäische Zentrum für Föderalismus-Forschung Tübingen wechselte. Promoviert wurde sie an der Universität Tübingen im Themenbereich Föderalismus und EU-Integration, habilitiert hat sie sich an der Universität Innsbruck, Österreich, wo sie als Assistenzprofessorin im Themenbereich „Dynamiken und Legitimität des EU-Mehrebenensystems“ forschte.

 

Foto:

Der Rektor der Hochschule Kehl, Prof. Paul Witt und Prof. Dr. habil. Annegret Eppler freuen sich über den Zuschlag.

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